Auf dem Weg zur vernetzten Schweiz

01.11.2018
Beitrag von Geschäftsstelle Digitale Schweiz GDS
Publiziert unter:  Smart city, Interview
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Heute wird alles smarter – vom Fernseher über Gebäude bis zum Verkehr und ganzen Städten. Auch in der Schweiz nutzen bereits zahlreiche Städte, Kantone und Gemeinden das Potenzial der Kommunikations- und Informationstechnologien, um die sozialen und ökologischen Lebensräume nachhaltig zu entwickeln. Der Bundesrat hat entschieden, diese Aktivitäten zu unterstützen. Wir fragen Marcel Buffat, Koordinator Mobilität und Digitalisierung im Generalsekretariat des UVEK, was hinter dieser Initiative steckt.

 

Einer der Schwerpunkte der kürzlich aktualisierten Strategie "Digitale Schweiz" ist die Unterstützung der Städte, Gemeinden und Kantone bei der Entwicklung von Smart Cities, Smart Villages und Smart Regions. Was versteht man genau unter diesen "smart"-Begriffen?

Obwohl in der Tat ein Modewort geworden, gibt es keine einheitliche Definition des Begriffs «smart». Die Idee dahinter ist indes klar: Mit den modernen Informations- und Kommunikationstechnologien eine hohe Lebensqualität und ein attraktives Umfeld für die Wirtschaft zu schaffen.
 

Können Sie uns ein paar gute Beispiele nennen, die der Schweiz als Vorbild dienen können?

Schauen wir nach Europa: 2016 wurde die «Urban Agenda for the EU» lanciert. Dabei geht es um eine engere Zusammenarbeit zwischen Städten, Mitgliedsstaaten und der Europäischen Kommission. Gegenseitiger Wissensaustausch und gezieltere Programme stehen dabei im Vordergrund. Zudem unterstützt die EU-Kommission auch die «European innovation partnership on smart cities and communities» - eine Art «Marktplatz», auf welchem sich Städte, die Industrie, KMU, Banken und die Forschung zusammenfinden. Diese Vernetzung dies- und jenseits der Landesgrenzen wollen auch wir vermehrt pflegen. Denn auch in der Schweiz gibt es Beispiele, die uns inspirieren können: Die Stadt St. Gallen hat die Stelle eines Chief Digital Officers geschaffen, der die Stadt für die Digitalisierung fit machen soll. Verschiedene Städte weisen zudem Erfahrungen mit innovativen Mobilitätslösungen auf. Davon können wir alle lernen. Generell wird viel unternommen – nur nicht sichtbar genug für die breite Öffentlichkeit. Hier haben wir noch Luft nach oben.

 

Wie beurteilt der Bund den Stellenwert der Städte?

Städte sind oft die Motoren des Fortschritts. In Städten herrscht ein gedeihliches Klima für Innovationen, für ein Denken «out of the box». Städte sind Partner auf Augenhöhe. Beim Übergang von der alten in die neue Welt spielen sie eine Schlüsselrolle.

Allerdings stehen nicht alle Städte in Sachen «Smart Cities» am gleichen Ort, sie haben unterschiedliche Ansätze und Stossrichtungen. Es wäre gut, würden diese Aktivitäten und individuellen Projekte vermehrt aufeinander abgestimmt. Die Infrastrukturen müssen vernetzt und die Ressourcen gebündelt werden. Der Austausch von Knowhow ist zentral. Es braucht ein verstärktes gemeinsames Denken und Handeln. Hier will der Bund nach Kräften dazu beitragen; selbstverständlich unter Wahrung der föderalistischen Aufgabenteilung.
 

Was sind konkret die nächsten Meilensteine?

Es existieren bereits zahlreiche Instrumente zur Unterstützung von Kantonen, Städten und Gemeinden. Zum Beispiel das Programm EnergieSchweiz, die Modellvorhaben Nachhaltige Raumentwicklung oder das Förderprogramm Nachhaltige Entwicklung. Zudem pflegen wir auf strategischer und fachlicher Ebene den Dialog mit den Kantonen, Städten und Gemeinden.
 

Gibt es aus deiner Sicht auch Risiken der Vernetzung von ganzen Städten und Gemeinden?

Es überwiegen die Chancen! Eine Vernetzung von Fahrzeugen mit der Infrastruktur kann die Sicherheit erhöhen. Die Vernetzung von neuen Mobilitätsangeboten – zum Beispiel Bike Sharing mit dem öffentlichen Verkehr – verbessert die Mobilität und reduziert die Umweltbelastung. Mit smarten Gebäuden lässt sich der Energieverbrauch besser steuern. Aufmerksam müssen wir beim Umgang mit Daten sein. Der Bundesrat weist in seiner Strategie Digitale Schweiz darauf hin, dass Daten ein zentraler Rohstoff der Wissensgesellschaft sind. Daher haben sie einen Wert und müssen nicht nur genutzt, sondern auch geschützt werden, denn die Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht auf eine Privatsphäre.

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Geschäftsstelle Digitale Schweiz GDS