Wie beteiligen wir uns 2030 am politischen Prozess?

08.03.2019
Beitrag von Jasmin Odermatt
Publiziert unter:  Partizipation
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Junge Erwachsene stimmen heute selektiv ab. Sie beteiligen sich vor allem dann, wenn es sich um Vorlagen handelt, die sie direkt betreffen oder für sie Bedeutung haben und in den Medien stark präsent sind. Da auf diese Generation im Jahr 2030 bereits jüngere nachgerückt sein werden, ist anzunehmen, dass sich der Trend des selektiven Abstimmens weiter verstärken wird. Die Entwicklung deutet darauf hin, dass 2030 den Vorlieben der Bevölkerung hinsichtlich ihrer politischen Teilhabe mehr Rechnung getragen werden wird. Die BürgerInnen stehen im Zentrum – und zwar während des gesamten politischen Prozesses. Stichwort dafür ist die Kollaboration zwischen BürgerInnen und Staat.

Wir sehen 2030 einer Pluralisierung der Formen politischer Partizipation entgegen. BürgerInnen beteiligen sich 2030 dann politisch, wenn es in ihrem Interesse liegt und sie sich zu einer Mitarbeit im politischen Prozess angesprochen fühlen. Dieser Entwicklung zuträglich ist der flächendeckende Einsatz digitaler Tools, die es BürgerInnen ermöglichen, sich vermehrt und über traditionelle Barrieren hinweg in den politischen Prozess einzubringen. So können sich auch Bevölkerungsgruppen, die bislang unterrepräsentiert waren – insbesondere Jugendliche – über Diskussionsplattformen austauschen, Votings durchführen und Massnahmen formulieren. Dies geschieht dezentral und ergebnisoffen. Der niederschwellige Zugang erlaubt einen persönlichen Kontakt auf Augenhöhe zwischen den verschiedenen AkteurInnen. Zudem eröffnen sich ganz neue Partizipationsmöglichkeiten. Wird beispielsweise die Idee zur Bepflanzung eines öffentlichen Grunds online platziert, können diese EntscheidungsträgerInnen innert kurzer Zeit sichten und ihrerseits ein Voting zur auszuwählenden Pflanzenart durchführen. Während des gesamten Prozesses beteiligen sich BürgerInnen dann, wenn es in ihrem Interesse liegt - sei dies bei der Ideeneingabe oder während des Online-Votings. Die politische Teilhabe ist 2030 durch eine Vielzahl an Online- und Offline-Partizipationsmöglichkeiten geprägt, wobei sich insgesamt eine grössere Diversität der politisch Partizipierenden ergibt. Die unterschiedlichen Partizipationsprozesse führen zu einem vermehrten Wissenstransfer und bieten Innovationspotenzial.

Durch den vernetzten und kollaborativen Austausch wird der freie Informationsfluss zwischen BürgerInnen und Regierung ermöglicht, wodurch ein Ökosystem aus gemeinsamen Daten entsteht. Der Bürger-Staat-Kontakt und -Austausch ist transparent und öffentlich zugänglich. Alle Gesellschaftsgruppen haben in politischen Prozessen von Anfang an die Möglichkeit, sich proaktiv in den Planungs- und Entscheidungsprozess miteinzubringen, denn die Zugänglichkeit ist gewährleistet. Durch die Verbindung digitaler und analoger Austauschmöglichkeiten können politische Anliegen breit diskutiert werden. Politische Prozesse werden dadurch zwar komplexer, allerdings werden Entscheide besser von der Gesellschaft getragen. Weiter gelangen durch Kommunikationsmittel wie digitale Foren neue, innovative Ideen und Lösungsansätze auf die politische Agenda. 

Kurz: Der politische Prozess wird bürgerzentriert und bildet die diversen Partizipationsmöglichkeiten und -vorlieben der Gesellschaft über analoge und digitale Zugangsmöglichkeiten ab.

Jasmin Odermatt
Jasmin Odermatt
Wissenschaftliche Mitarbeiterin - Dachverband Schweizer Jugendparlamente