Die Künstliche Intelligenz und wir

10.08.2017
Beitrag von Roland Fischer
Publiziert unter:  künstliche Intelligenz

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Der lang angekündigte Durchbruch der Künstlichen Intelligenz (Neural Networks, Deep Learning) läutet eine neue Ära der Automatisation ein, in der die Grenze zwischen Mensch und Maschine immer weniger klar zu ziehen ist.

Das hat nicht nur philosophische Implikationen, sondern bedeutet auch, dass viele Jobs zur Disposition stehen, die man noch vor kurzem als Bastionen menschlicher Fähigkeiten angesehen hatte.

Journalisten, Anwälte, Wissenschaftler – womöglich können Künstliche Intelligenzen ihre Arbeit bald genauso gut erledigen. Das führt zur Frage, ob Vollbeschäftigung auch in Zukunft das Ideal bleiben wird oder ob wir bald zwangsläufig ein erwerbsloses Grundeinkommen brauchen. Es kann aber auch sein, dass sich die menschliche Arbeit weg von der „maschinellen“ Routine und hin zum Sinnvollen verschieben wird, so zum Beispiel in der Pflege.

Ebenso wichtig wird die Frage sein, wie wir mit Entscheidungen umgehen, die von Maschinen getroffen werden und die immer unmittelbarer in unser Leben eingreifen. Algorithmen entscheiden heute schon, ob wir kreditwürdig sind oder ob wir zu eine Jobinterview eingeladen werden. Für Predictive Analytics interessieren sich nicht nur Krankenkassen oder Online-Händler, sondern auch die Polizei. Die aufgrund dieser Analyse getroffenen Entscheide werden nicht so „objektiv“ und „neutral“ sein wie es uns derzeit gern verkauft wird.

Wie kann man sicherstellen, dass auch bei Maschinen eine Rechenschaftspflicht gelten wird – wie können wir verstehen, wie sie zu ihren Entscheiden kommen und aber auch: wie kann man gegen diese in Berufung gehen? Diese juristischen Knacknüsse haben grosse gesellschaftliche Relevanz: Stichwort Diskriminierung und Teilhabe.

roland fischer
Roland Fischer
Wissenschaftsjournalist und Kurator Mad Scientist Festival