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Die Stadt Pully unter der Lupe

Beitrag von Alexandre Bosshard

Publiziert am 19.10.2020


Wie kann man die Nachhaltigkeit und die Smartness von Städten messen? Nach der erfolgreichen Umsetzung mehrerer digitaler Projekte beschloss die Stadt Pully, ihren Nachhaltigkeits- und Digitalisierungsgrad zu ermitteln. Dazu verwendete sie die Indikatoren von «United for Smart and Sustainable Cities» (U4SSC), die von der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) und 15 Agenturen der Vereinten Nationen erarbeitet wurden.

Wie kann man die Entwicklung von Pully vorbereiten und steuern und sich dabei die Veränderungen der digitalen Revolution zunutze machen? Mit ebendieser Frage beschäftigte sich die Verwaltung der Stadt am Genfersee. Neben Überlegungen zu deren besonderen Digitalisierungseigenschaften und der Schaffung der Website smart.pully.ch bestand einer der Lösungsansätze darin, den Grad der Digitalisierung zu messen, da ein gutes Messsystem zu einer guten Steuerung beiträgt.

Die Methode «United for Smart and Sustainable Cities» (U4SSC)

Zur Durchführung der Bestandsaufnahme wurde die U4SSC -Methode gewählt, die von der ITU – einer für Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) zuständigen Organisation der Vereinten Nationen – entwickelt wurde. Eine der Besonderheiten dieses Ansatzes liegt darin, dass die IKT nicht als Selbstzweck betrachtet werden, sondern als Instrument zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals , SDGs) der Vereinten Nationen. So wird eine Brücke zwischen Digitalisierung und nachhaltiger Entwicklung geschlagen. Konkret werden 87 Leistungskennzahlen (Key Performance Indicator, KPI) gemäss den drei Dimensionen der nachhaltigen Entwicklung gemessen: Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft.

Pully unter der Lupe

Nach Anwendung der U4SSC-Methode ermittelte Pully zudem die in nationalen, kantonalen und kommunalen Gesetzen, Verordnungen und Reglementen definierten Zielwerte und arbeitete anschliessend an der bestmöglichen Kommunikation der Ergebnisse. Daraus resultierte die Veröffentlichung des Berichts «Pully à la loupe » (Pully unter der Lupe).

Vorteile der Methode

Die U4SSC-Initiative bietet eine Gesamtübersicht über die Vielfalt der Aktivitäten der Stadt. Angesichts der begrenzten Anzahl Indikatoren kann diese Methode in wenigen Monaten, d. h. relativ rasch, umgesetzt werden. Darüber hinaus beruht sie auf der internationalen Norm ITU-T Y.4903/L.1603, die weltweit einen gemeinsamen Bezugspunkt für alle Städte darstellt. Dieser Ansatz birgt somit ein grosses Potenzial für den Ideenaustausch zwischen Städten, um ihnen dabei behilflich zu sein, Best Practices zu ermitteln, den Einsatz ihrer intellektuellen und finanziellen Ressourcen zu optimieren, die Dienstleistungen für die Bürgerinnen und Bürger zu verbessern und neue Dienstleistungen zu entwickeln. Dem Stadtrat ermöglicht die U4SSC-Initiative, die Alltagsaktivitäten aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, indem die wichtigsten Trends umrissen werden und ihm ein Werkzeug zur mittel- und langfristigen Steuerung seiner Tätigkeiten an die Hand gegeben wird. Schliesslich kann der Bericht als Instrument zur Kommunikation mit der Bevölkerung, innerhalb der Verwaltung selbst, mit dem Privatsektor, anderen Städten sowie der Regierung und internationalen Institutionen angesehen werden.

Grenzen der Methode und Verbesserungspotenzial

Auf der anderen Seite ist die U4SSC-Initiative mit ihrem ganzheitlichen Ansatz nur bedingt für das alltägliche Management der Stadt geeignet und berücksichtigt zu wenig den lokalen Kontext. Zudem hört der Einfluss der Stadt an ihren Grenzen auf. Doch sollte der Gesamtwirkung Rechnung getragen werden, wie z. B. der zur Herstellung importierter Konsumgüter benötigten Energie. Schliesslich gibt die Initiative keine Zielwerte vor, was es schwierig macht, die zu erreichenden Ziele festzulegen.

Folgearbeiten

Nach dieser ersten Beurteilung wäre es sinnvoll, die Indikatorenwerte für Pully regelmässig zu aktualisieren. Überdies sollte die U4SSC-Methode mit einigen Indikatoren ergänzt werden, um den lokalen Besonderheiten besser Rechnung zu tragen. Zu guter Letzt könnte die ITU eine Reihe von Zielwerten vorschlagen, die auf den SDGs der Vereinten Nationen beruhen.

Wir hoffen, dass der aus dieser Arbeit resultierende Bericht «Pully unter der Lupe» den Dialog zwischen den politischen Behörden und der Bevölkerung, innerhalb der Verwaltung, mit anderen Städten, dem Privatsektor, der Regierung und Fachleuten fördern kann. Mit einem solchen Austausch kann die Art und Weise, wie die Indikatoren gemessen und die Zielwerte ausgewählt werden, kontinuierlich verbessert werden. Dies würde zur Optimierung der Steuerung der Stadt beitragen, damit den Bürgerinnen und Bürgern immer praktischere, effizientere, benutzerfreundlichere und menschlichere Dienstleistungen und Vorteile angeboten werden können.


Beitrag von

Alexandre Bosshard
Alexandre Bosshard

Mitglied der Geschäftsleitung der Stadtwerke von Pully