E-Government ohne Barrieren

10.07.2019
Beitrag von Markus Riesch
Publiziert unter:  E-Government, Chancengleichheit, Partizipation, Gesellschaft
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Am 23. Mai 2019 organisierte das Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen (EBGB), die Geschäftsstelle E-Government Schweiz und die Geschäftsstelle Digitale Schweiz des Bundesamts für Kommunikation die Fachtagung «Barrierefreies E-Government». Über 150 Vertreterinnen und Vertreter von Behörden sowie Fachleute diskutierten an dieser Fachtagung Herausforderungen und Massnahmen zur Verbesserung der Barrierefreiheit elektronischer Behördendienstleistungen.

Behördengeschäfte können über verschiedene Kanäle erledigt werden. Schriftlich per Post, am Schalter oder elektronisch (E-Government). Nicht alle Menschen können aber frei wählen, welchen Kanal sie benutzen möchten. Aufgrund von eingeschränkter Mobilität, Sinnesbehinderungen oder kognitiven Behinderungen bleibt oft nur der elektronische Kanal übrig, Behördengeschäfte selbstständig zu erledigen. Umso wichtiger ist es, dass E-Government für alle Menschen – unabhängig von ihren Fähigkeiten oder Einschränkungen – hindernisfrei genutzt werden kann.

Um die Barrierefreiheit von E-Government in der Schweiz durchgängig umzusetzen, sind eine Reihe von Erfolgsfaktoren entscheidend.

Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben

Die gesetzlichen Rahmenbedingungen (Behindertengleichstellungsgesetz, UNO-Behindertenrechtskonvention und weiterführende Vorgaben auf Ebene des Bundes, der Kantone und Gemeinden) verlangen, dass die Dienstleistungen von Behörden über das Internet barrierefrei zugänglich sind. Dies muss konsequent umgesetzt werden. Der eCH-Accessibility-Standard 0059 definiert hierzu die Anforderungen an Webanwendungen für die verschiedenen  Behinderungsarten. In der anstehenden Überarbeitung von eCH 0059 soll nun auch definiert werden, wie die Überprüfung und die Deklaration der Barrierefreiheit standardisiert werden können.

Überprüfung und Deklaration der Barrierefreiheit

Barrieren auf einer Webseite sind oft unsichtbar. Erst durch Benutzung von assistierenden Technologien, wie zum Beispiel einer Bildschirmlesesoftware (Screenreader) werden Barrieren erkennbar. Eine periodische Prüfung der Barrierefreiheit ist daher umso wichtiger. Neben einem standardisierten Prüfverfahren ist die Deklaration der Barrierefreiheit von Webauftritten der Behörden ein zentraler Handlungsbedarf. Die Deklaration der Barrierefreiheit soll einen Feedback-Mechanismus aufweisen, mit dem Menschen mit Behinderungen Hindernisse direkt einer zuständigen Stelle melden können.

Sensibilisierung

Grossen Handlungsbedarf gibt es weiter im Bereich Sensibilisierung. Wissen schafft Verständnis. Wenn sich jemand dem Nutzen der Barrierefreiheit bewusst ist, steigt die Motivation, diese umzusetzen. Die Zielgruppen für Barrierefreiheit im Internet sind jedoch nicht nur Menschen mit Behinderungen. Eine ebenfalls äusserst relevante Zielgruppe sind Seniorinnen und Senioren. Ältere Menschen werden in Zukunft E-Government immer mehr und immer länger nutzen. Auch sie sind auf Barrierefreiheit angewiesen. Mit der durch Barrierefreiheit einhergehende Strukturierung der Inhalte wird zudem die Maschinenlesbarkeit gefördert und damit die Optimierung für Suchmaschinen, Bots und künstliche Intelligenz.

Schlussendlich hat die Tagung aufgezeigt, dass die Barrierefreiheit unerlässlich ist, das eigentliche Ziel von E-Government – der Bevölkerung elektronische Behördendienstleistungen zur Verfügung zu stellen – zu erreichen.

Gemeinsames Verständnis von Barrierefreiheit

Neben den gesetzlichen Vorgaben braucht es ein gemeinsames Grundverständnis von Barrierefreiheit im E-Government. Das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen stellte hierfür an der Fachtagung die Idee einer Schweizer Charta für Barrierefreiheit vor. Die Charta soll die Grundlage für ein gemeinsames Verständnis für Barrierefreiheit bilden. Die zentralen Aspekte der Accessibility-Charta umfassen die Barrierefreiheit als Teil der Unternehmenskultur, die Verankerung in den Prozessen, der Einbezug aller, der interne und externe Dialog sowie kontinuierliche Überprüfung und Verbesserung der Barrierefreiheit.

Zusammenarbeit

Die Fachtagung «Barrierefreies E-Government» zeigte, wie wichtig der Zugang für Menschen mit Behinderungen zu elektronischen Behördendienstleistungen ist. Der Zugang für alle stärkt die chancengleiche politische Partizipation (z.B. abstimmen und wählen durch E-Voting) und die Selbstständigkeit und Selbstbestimmung im Umgang mit Behörden (z.B. das Ausfüllen der Steuererklärung).

Die Fachtagung ist aber auch Anstoss, die Zusammenarbeit von Bund, Kantonen und Gemeinden zu vertiefen und die erwähnten Erfolgsfaktoren auszugestalten.

 

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Markus Riesch
Markus Riesch
Leiter Fachstelle e-Accessibility Bund, Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen