Innovation in der Verwaltung

25.01.2019
Beitrag von Geschäftsstelle Digitale Schweiz GDS
Publiziert unter:  Innovation
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Die Digitalisierung fordert die Verwaltungen heraus inhaltlich, wie auch betreffend Arbeitsmethoden und Formen der Zusammenarbeit. Im Rahmen der Strategie "Digitale Schweiz" prüft der Bundesrat, wo und wie in der Bundesverwaltung Freiräume geschaffen werden können um, losgelöst von bestehenden Strukturen und dem Tagesgeschäft, die Herausforderungen der Zukunft angegangen werden könnten.

Wir fragen bei Alenka Bonnard, Geschäftsführerin des staatslabors, nach, ob die Verwaltung überhaupt innovativ sein kann und muss. Der Verein staatslabor wurde Anfang 2017 aus der Taufe gehoben, um den öffentlichen Sektor beim ins digitale Zeitalter zu unterstützen. Die gemeinnützige Organisation fördert neue Werkzeuge, Methoden und Technologien für den Einsatz im öffentlichen Sektor, gestaltet und begleitet Innovationsprojekte und bietet mit seinen Aktivitäten eine Plattform für Austausch und Vermittlung von Know-How über öffentliche Innovation.

Was heisst Innovation in der Verwaltung?

Wir verstehen Innovation in der Verwaltung als einen Prozess, der auf die Entwicklung wirksamer Lösungen abzielt, welche neu oder anders sind als die bisher umgesetzten, um einen vorgegebenen Auftrag des Service Public bestmöglich zu erfüllen.

Muss eine Verwaltung überhaupt innovativ sein?

Eine Verwaltung muss, wie jede Institution mit einer Mission, eine Reihe von Reformen durchführen, um in einer sich verändernden Gesellschaft relevant zu bleiben. Dies gilt umso mehr in einer Zeit des schnellen und radikalen Wandels, wie wir ihn heute erleben. Dabei geht es zum Beispiel darum, die gesellschaftlichen Ziele und gemeinsamen Werte mit den gegebenen Mitteln besser zu erreichen. Oder darum, die Verwaltungsabläufe offener und partizipativer zu gestalten. Oder darum, die Umsetzung passgenauer auf die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger anzupassen. Kurz: Innovation heisst für die meisten Behörden in der Regel Prozess-, nicht Produktinnovation. Wir glauben, dass es in diesem Prozess kein one-size-fits-all gibt und dass sich jede Einheit unter Berücksichtigung ihrer eigenen Eigenschaften auf eine bestimmten Weise neu erfinden muss. Dies erfordert eine gewisse Kreativität.

Kannst du konkrete Erfolgsstories von innovativen Projekten der öffentlichen Hand in der Schweiz nennen?

Es gibt in in der Schweiz eine Vielzahl von interessanten Innovationsprojekten auf kommunaler, kantonaler und Bundesebene. Ich erlaube mir, hier stellvertretend zwei Initiativen aus der Romandie hervorzuheben. Mit dem “Guichet Unique” bietet der Kanton Neuenburg einen One-Stop-Online-Shop für Bürgerinnen und Unternehmen an. Sie erledigen dort mit einem Login alle Behördengänge - von der Steuererklärung über die Fahrzeugregistrierung bis hin zu Bau- oder Eventgesuchen. In Genf wiederum haben Stadt und Kanton das Projekt Genie.ch lanciert. Die Plattform verbindet Akteure über Sektoren hinweg in mehr oder weniger formeller Weise und ermöglicht es Genfer Unternehmen, “industrielle Ökologieprojekte” umzusetzen, die heute unter “2000 Watt” oder “Smart City” Aktivitäten subsumiert werden - inklusive aller nötigen Behördeninformationen und Foren für Community-Mitglieder.

Weiter liesse sich die Implementation von neuen Arbeitsweisen in den Genfer “Services Industriels” und  bald im Kanton Waadt nennen oder - um noch ein Deutschschweizer Beispiel hinzuzufügen - die Website “Züri wie neu”, eine Smart Governance Lösung, mit der Zürcherinnen und Zürcher Schäden an der städtischen Infrastruktur melden, welche danach schnellstmöglich behoben werden.

Auch wenn diese Projekte oft die Art und Weise verändern, wie die Verwaltung arbeitet, werden sie nicht immer als Innovationen wahrgenommen. Tatsächlich besteht aktuell leider häufig die Tendenz, Innovation mit Digitalisierung zu verwechseln. Letztere stellt Innovationswerkzeuge und -technologien zur Verfügung, ist aber immer auch in menschliche, organisationale, kulturelle und gesellschaftliche Zusammenhänge eingebettet: Sie ist oft das “wie”, nicht das “warum” erfolgreicher öffentlicher Innovation.

Was sind die Chancen des Föderalismus für die digitale Transformation?

Ganz im Sinne von agilen IT-Entwicklungsprozessen wird digitale Transformation nicht durch grosse Konzepte und Top-Down Strategien vorangetrieben, sondern durch schnelles Testen, Nutzerzentriertheit und die Produktion von Prototypen, die ständig verbessert werden. Ein solches Vorgehen entspricht der föderalen Logik sehr gut. Mit den Kantonen haben wir 26 kleine Staaten, was es uns erlaubt, für ähnliche Herausforderungen verschiedene Lösungen auszuprobieren. So können Resultate verglichen und im Erfolgsfall auch schnell in andere Kontexte übersetzt werden. Entscheidend dafür ist, dass die Schnittstellen zwischen den föderalen Einheiten gut funktionieren, damit eine gute Kommunikation und gemeinsame Lernprozesse sichergestellt werden können.

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Foto von John Patrick Walder für Engagement Migros

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