Remixen statt Konsumieren -  kulturelle Partizipation durch Digitalisierung

15.11.2017
Beitrag von Daniel Boos
Publiziert unter:  Kultur, Partizipation, Urheberrecht

Täglich werden in der Schweiz eine grosse Anzahl von Fotos, Texten oder Musik neu erstellt und digital geteilt. Viele Werke sind kreative Remixes von bestehenden Werken. Autoren dieser Werke sind wir alle, und wir alle lassen uns von den Werken anderer inspirieren.

Es entstehen einfache animierte GIF-Memes, wilde Collagen oder innovative Neu-Interpretationen von bestehenden Werken. Wer Werke bearbeitet, setzt sich mit ihnen auseinander, lernt und trägt zur kulturellen Innovation bei.

Dieser Remix, der gerade in einer digitalisierter Welt ein neues Ausleben von Kunstfreiheit und Kreativität erlaubt, wird jedoch häufig durch das Urheberrecht behindert.  Derzeit versuchen die etablierten Akteure sogar, die schon heute überholte und nicht mehr funktionierende Verwertungskette für Werke mit einer Revision des Urheberrechts zu retten, die noch mehr Restriktionen bringen soll, als sie das alte Recht schon beinhaltet. Gejammert wird gegen dominante Plattformen und zahlungsunwillige Konsumenten, gefordert werden mehr Verbote, Rechtsdurchsetzung und mehr Abwehrrechte. Der Aspekt der alltäglichen kreativen Aneignung von Werken durch jedermann wird in der Debatte zu dieser Revision zudem völlig vernachlässigt.

Damit es gelingt, mit der Digitalisierung eine grössere kulturelle Partizipation zu ermöglichen, sind jedoch andere Stossrichtungen wichtig. Es braucht grössere Freiräume, damit bestehende Werke neu genutzt werden können. Sei dies durch einfache Nutzungserlaubnisse, insbesondere für den genannten Remix, durch verkürzte Schutzfristen und durch eine vernünftige Schöpfungshöhe, die Trivialwerke nicht mehr schützt.

Für Kulturschaffende braucht es neue effektive Finanzierungsmodelle für die Erstellung von Werken, und nicht nur die komplizierte Verwertungssysteme für Kopien von Werken, die noch aus der analogen Welt stammen. Öffentlich geförderte Werke sollen nach deren kommerziellen Hauptverwertung zur Nutzung freigegeben werden. Von öffentlichen Institutionen digitalisierte gemeinfreie Werke sind bedingungslos freizugeben, nur so können sie wiederentdeckt und neu genutzt werden. Damit das alles gelingt, muss das Urheberrecht zudem einfach verständlich und anwendbar sein, weil es uns alle betrifft und nicht nur einen Zirkel von Experten.

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Daniel Boos
Mitinitator Re:PublicDomain (by Dock18), Mitglied Digitale Allmend