Technische Systeme im Dienste älterer Menschen – SeniorInnen mit ins Boot holen

22.05.2019
Beitrag von Prof. Dr. Sabina Misoch, Rhea Braunwalder
Publiziert unter:  Robotik, Gesellschaft, ältere Menschen, Pflege
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Unser Lebensalltag wird immer stärker von digitalen Technologien und Dienstleistungen durchdrungen. Dies gilt für alle Bevölkerungsgruppen gleichermassen, seien es Kinder, die ganz selbstverständlich mit diesen Technologien aufwachsen, oder ältere Menschen, die erst im Laufe ihres Lebens mit Digitalisierung konfrontiert wurden. Gerade deshalb ist es wichtig Senioren und Seniorinnen im Digitalisierungsprozess gezielt mit ins Boot zu holen, so dass sie bei dieser Entwicklung nicht ausgeschlossen werden.

Einerseits können neue digitale Produkte und Dienstleistungen ältere Menschen im Alltag unterstützen und einen möglichst langen und selbstständigen Verbleib im eigenen Wohnumfeld ermöglichen. Gleichzeitig bringt die Digitalisierung auch Herausforderungen für ältere Menschen mit sich. Die Nichtnutzung aus Gründen fehlender Kenntnisse kann zu Diskriminierung und zum sozialen Ausschluss führen. Speziell in der Einführung von neuen digitalen Lösungen und assistiven Technologien ist deshalb Fingerspitzengefühl gefragt. Was sind die realen Bedürfnisse der SeniorInnen? Werden die Produkte überhaupt gebraucht und akzeptiert?

In einer mobilen und globalisierten Gesellschaft, in welcher Familienmitglieder in grösseren Distanzen zueinander wohnen und dadurch die informelle Pflege oder Betreuung erschwert wird, ist die Entwicklung akzeptierter Lösungen zur Unterstützung und Assistenz älterer Menschen besonders relevant. Mit dem «LivingLab 65+» setzen wir auf ein Netzwerk aus Privathaushalten und Heimen, bei denen SeniorInnen technische Innovationen in ihrem natürlichen Wohnumfeld testen und evaluieren. Die realweltlichen Tests dauern 3 bis 6 Monate. So sollen Innovationen an die realen Bedürfnisse der SeniorInnen angepasst, verbessert und weiterentwickelt werden. Beispiele für bereits im Living Lab 65+ getestete technische Innovationen sind Sturzsensoren, Oberarmsensoren zur Messung von Vitalparametern oder die Therapierobbe PARO.

Wenn Roboter in der Zukunft verstärkt im Service- und Pflegebereich für ältere Menschen eingesetzt werden, müssen wir auch ermitteln, wie ältere Menschen diesen Einsatz emotional wahrnehmen. Mit sozialen Robotern wie etwa der Robbe PARO oder dem humanoiden NAO untersuchen wir, wie sich Faktoren wie Aussehen, Stimme und Bewegung von Robotern auf das Empfinden auswirken.

Sei es Technikakzeptanz, Nutzerfreundlichkeit oder Auswirkungen des Gebrauchs digitaler Dienstleistungen auf das Leben und die Lebensqualität älterer Menschen - Senioren und Seniorinnen stehen bei unseren Forschungen und den Bestrebungen des unserem Kompetenzzentrum geleiteten nationalen Innovationsnetzwerk «Alter(n) in der Gesellschaft» (AGE-NT) im Mittelpunkt. Wir wollen nachhaltige Lösungen erarbeiten, die im Sinne der Bevölkerung sind und helfen, den Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung aktiv zu begegnen.

Prof. Dr. Sabina Misoch
Prof. Dr. Sabina Misoch
Leiterin IKOA-FHS, Interdisziplinäre Kompetenzzentrum Alter der Fachhochschule St.Gallen
Rhea Braunwalder
Rhea Braunwalder
Project Coordinator, Interdisziplinäre Kompetenzzentrum Alter der Fachhochschule St.Gallen