Vertrauen in Künstliche Intelligenz ist Ziel und Lösungsweg in einem

01.10.2019
Beitrag von Marisa Tschopp, Marc Ruef
Publiziert unter:  künstliche Intelligenz, Vertrauen
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Es heisst, dass Künstliche Intelligenz (KI) das Potential hat, praktisch jeden Sektor von der Medizin zur Stadtplanung positiv zu transformieren. Aber auch fragwürdige Folgen bringt KI mit: gefälschte Videos, die Präsidenten diffamierende Worte in den Mund legen. Eine Überwachungskultur erhält durch KI neue Ausmasse, wenn z.B. KI entscheidet, ob ein guter Bürger einen Kredit oder Gehaltserhöhung verdient. Ein viel diskutiertes Problem ist die Debatte um Privatsphäre and Datensicherheit, wie sich aktuell bei der viral-gegangenen Faceapp zeigt: 150 Millionen User haben ihre Gesichter auf eine russischen App hochgeladen, um zu sehen, wie sie in 50 Jahren aussehen, ohne zu wissen, was damit passiert und zu welchem Zweck die Algorithmen später dienen. Es könnte durchaus sein, dass die Faceapp-Betreiber ihre Algorithmen dem Militär zur Entwicklung von Autonomen Waffensysteme zur Verfügung stellen. Das entspräche dann fast der Roboterapokalypse, die wir eigentlich nur im Fernseher betrachten möchten. Es wäre fast paradox, dem nicht skeptisch gegenüberzustehen, oder?

Doch hier gilt es zu differenzieren: Was ist und was kann KI? Skeptisch muss derjenige werden, der eine klare Antwort darauf bekommt, denn KI wird von unterschiedlichen Disziplinen erforscht und in vielen unterschiedlichen Teilbereichen mit variierender Komplexität verwendet: Spracherkennung, autonome Fahrzeuge, oder Spiele, wie z.B. Schach oder Jeopardy!, die schon manchen Weltmeister bezwangen, sind nur einige Beispiele von vielen. Empfehlungsdienste, wie Netflix oder Youtube, gelten ebenfalls als KI, die hilft Entscheidungen zu treffen. Dies zumindest nur teil-autonom, was heisst, dass am Ende immer noch der Mensch das Zepter in der Hand hält.

Im Kontext KI finden sich keine klaren Antworten. Ein Blick in die Geschichte der KI, welche um 1950 begann, lohnt sich. Sie ist geprägt von ähnlichen Mustern aus grossem Enthusiasmus, hohen Erwartungen, gefolgt von knallharter Realität, der viele Unternehmen in den 1980ger Jahren zum Opfer fielen, weil die hochgeschürten Erwartungen nicht gehalten werden konnten. Steuern wir auf ein neues Tal der Enttäuschung zu? Nach Expertenmeinung eher nicht: KI ist wiedergekommen, um zu bleiben.

Heute erlebt KI eine neue Blütezeit, Milliarden werden investiert. Doch das Vertrauen ist getrübt. Kritiker, Ethiker und Aktivisten treten zu Recht auf die Enthusiasmusbremse: Technische Probleme, wie mangelnde Vorhersehbarkeit und Erklärbarkeit, sowie Hype, die Monopolstellung der Tech-Giganten, sowie Miss- und Fehlinterpretationen, führen zu Misstrauen.

Wenn das gesamte Potential von Künstlicher Intelligenz genutzt werden soll, braucht es etwas, das noch schwerer greifbar ist als Technik und Gesetze zum Datenschutz: Es braucht menschliches Vertrauen. Ein psychologisches Phänomen, welches nicht nur spürbar, sogar auch messbar ist. Vertrauen macht Interaktion möglich, egal ob Mensch oder Maschine. Gesetze und technologische Sicherheit sind notwendige Bedingungen, um Vertrauen in KI zu schaffen, doch reicht das nicht aus. Um Vertrauen in KI (deren Provider, Programmierer, Programme und Prozesse) auf menschlicher Ebene zu gestalten, muss dem zwingend auf menschlicher Ebene begegnet werden: Was macht KI mit uns als Individuum? Wie beeinflusst es unsere Kommunikation, unser Miteinander? Antworten gibt es keine. Es sind Fragen, denen wir uns jetzt stellen müssen: In wie weit können und wollen wir Künstlicher Intelligenz vertrauen und wo müssen wir klare Grenzen setzen.

Marisa Tschopp
Marisa Tschopp
scip AG
Marc Ruef
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