Von der digitalen Kluft zum Wissensgefälle: der steinige Weg zur digitalen Staatsbürgerschaft

10.10.2017
Beitrag von Hani Dabbagh
Publiziert unter:  digitale Kompetenzen, Rahmenbedingungen

Originalversion: französich

Die letzten zehn Jahre haben unsere Welt verändert. Die digitale Revolution hat verblüffende neue Möglichkeiten eröffnet, von denen man bis vor nicht allzu langer Zeit nur zu träumen gewagt hatte. Doch diese Entwicklung hat ihren Preis: In unserem gesellschaftlichen, emotionalen und wirtschaftlichen Leben ist es zu einer digitalen Disruption gekommen. Wir haben die Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer durcheinandergebracht. Deshalb stellen sich nun neue Fragen rund um Privatsphäre, Sicherheit und Handel.

Ein Graben hat sich aufgetan zwischen den Personen mit und jenen ohne Zugang zu Technologien: die sogenannte digitale Kluft. Zugang zu Highspeed-Internet ist zu einer Notwendigkeit geworden wie Wasser, Treibstoff oder Elektrizität. Doch es hat sich rasch herausgestellt, dass wir mehr als nur diesen Zugang brauchen. Denn es ist ein Wissensgefälle entstanden zwischen denjenigen, die Wissen schaffen und verwalten, und jenen, die es nur konsumieren.

Daten sind das Erdöl dieser neuen Wirtschaft, wobei jene im Vorteil sind, die damit umzugehen wissen. Wie lenken wir also die wissensbasierte Wirtschaft? Wie bleiben wir innovativ? Wie werden wir gesellschaftlich engagierte, partizipative Bürgerinnen und Bürger, die diese neuen Fähigkeiten klug nutzen, um eine erfolgreiche Zukunft unserer demokratischen Gesellschaft sicherzustellen? Wir stehen vor der Herausforderung, fliegen lernen zu müssen, während sich das Flugzeug bereits in der Luft befindet. Es gibt keinen Masterplan.

Allerdings sollten die drei folgenden Massnahmen getroffen werden:

Bildung: Unser Bildungssystem hat sich seit der industriellen Revolution im Grunde nicht verändert. Wir müssen es an die digitale Revolution anpassen, indem wir uns die neuen Fähigkeiten nicht nur zunutze machen, sondern auch den Lehrplan überdenken und an die heutige Welt anpassen. Wir müssen unsere Kinder darauf vorbereiten, vollwertige digitale Bürgerinnen und Bürger von morgen zu werden, und ihnen die richtigen Tools an die Hand geben, um in der transformierten Gesellschaft von morgen bestehen zu können.

Gesetzgebung: Wir müssen von einer reaktiven Vorgehensweise, bei der wir hastig unsere Gesetze an neue Gegebenheiten anpassen, zu einem proaktiven Modus übergehen und eine Umgebung schaffen, in der Innovation gefördert und unsere Privatsphäre und Sicherheit garantiert werden.

Nationaler Chief Information Officer (CIO): Wir brauchen digital versierte politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, die uns zeigen, wie wir den digitalen Wandel für die Bedürfnisse des Landes nutzen können. In der Übergangsphase brauchen wir einen nationalen CIO, der sicherstellt, dass wir immer der Zeit voraus sind und proaktiv handeln.

Wir stehen erst am Anfang dieser ganzen Entwicklung. Wenn wir auf diesem Weg das Steuer übernehmen, anstatt nur dahinzudriften, werden wir zu vollwertigen digitalen Bürgerinnen und Bürgern von morgen. In zehn Jahren wird unsere Welt erneut nicht mehr wiederzuerkennen sein. Lasst uns dafür sorgen, dass es eine Zukunft ist, in der wir leben wollen.

 

Lesen Sie den Artikel auf Englisch auf dem Blog von Hani Dabbagh: https://digitalramblings.blog/2017/07/25/digital-citizenship

 

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Hani Dabbagh
Independant Digital Strategist