Arbeitsmarkt 4.0: Was müssen wir tun, damit uns die Arbeit nicht ausgeht?
Workshop

20.11.2017
13:15 - 14:45
Kongresshaus - Biel/Bienne
ineichen-fleisch
Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch
Staatssekretärin und Direktorin SECO
scheidegger
Dr. Eric Scheidegger
Stv. Direktor, Leiter der Direktion für Wirtschaftspolitik, SECO
lampart
Daniel Lampart
Chefökonom Schweizerischer Gewerkschaftsbund
Lützelschwab
Daniella Lützelschwab
Ressortleiterin Arbeitsmarkt Schweizerischer Arbeitgeberverband
lalive
Rafael Lalive
Professor University of Lausanne

Wie wird die Digitalisierung die künftige Arbeitswelt verändern? Auf was müssen sich Politik, Wirtschaft und Gesellschaft einstellen?

Die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Beschäftigung und die Arbeitsbedingungen sind im öffentlichen Diskurs omnipräsent. Während einerseits Befürchtungen im Raum stehen, wonach im Zuge der Digitalisierung massenweise Stellen wegfallen, rechnen andere Experten mit einer anhaltend positiven Beschäftigungsentwicklung und einer Verlagerung der Beschäftigung in neue Bereiche.

Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass die Schweiz bisher sehr erfolgreich bei der Bewältigung von akzentuiertem Strukturwandel war. So sind beispielsweise in den letzten 25 Jahren insgesamt 850‘000 neue Stellen entstanden.

Im Zentrum des Panels steht die Frage, wie die Rahmenbedingungen gesetzt werden müssen, damit die Schweiz auch den aktuellen Strukturwandel erfolgreich bewältigen kann. Nach dem Inputreferat eines Arbeitsmarktökonomen diskutieren Expertinnen und Experten aus Politik, Verwaltung und der Sozialpartner, was es braucht, damit das Erfolgsmodell Schweiz ins digitale Zeitalter überführt werden kann.

Ergebnisse des Workshops

Ausgewählte Thesen
  1. Die Arbeit geht uns auch in Zukunft nicht aus. Die Digitalisierung beschleunigt lediglich den Strukturwandel, der ohnehin im Gang ist.
  2. Der Schlüssel zum Erfolg ist auch im Kontext der Digitalisierung die Bildung.
  3. Digitalisierung bedeutet Fortschritt, auch im Arbeitsmarkt. Völlig neuartige Risiken sind zurzeit (noch) nicht auszumachen.
     
Zusammenfassung

In der jüngeren Vergangenheit wurden Befürchtungen laut, dass die Digitalisierung zu einem „Ende der Arbeit“ führen könnte. Das Inputreferat des Arbeitsökonomen Rafael Lalive ging deshalb der Frage nach, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf die Arbeitskräfte und Unternehmen bzw. den Arbeitsmarkt hat. In seinen Erläuterungen zeigte Rafael Lalive auf, dass die Ergebnisse von eher pessimistischen Studien zu relativieren sind. Nichtdestotrotz sind einfache, repetitive Arbeiten besonders stark von der Digitalisierung betroffen. Dies führt dazu, dass sich die Menschen in Zukunft vermehrt der „nicht-digitalisierbaren“ Tätigkeiten wie beispielsweise soziale Interaktion oder Kreativität widmen werden.

Insgesamt ist aufgrund des aktuellen Wissenstandes eher nicht von einem Rückgang der Gesamtbeschäftigung auszugehen. Jedenfalls zeigen die bisherigen Erfahrungen, dass bisher jede industrielle Revolution zu einem Anstieg der Arbeitsproduktivität geführt hat. Rafael Lalive verdeutlichte dies anhand einer empirischen Analyse von Autor und Salomons (2017). Die Analyse kommt zum Schluss, dass bei einem Anstieg der Produktivität innerhalb einer Branche die Beschäftigung sinkt, aber hingegen in der Gesamtwirtschaft ansteigt. Dies hat damit zu tun, dass Nachfrageeffekte zwischen Industrien entstehen (z.B. höhere Produktivität im IT-Sektor schafft Nachfrage nach Wohneigentum und nach Arbeit im Bausektor). Als Fazit bleibt deshalb festzuhalten, dass eine Verlagerung der Beschäftigung stattfinden wird, aber die Gesamtbeschäftigung stabil bleibt.

In der anschliessenden Diskussionsrunde zur These ‚Die Arbeit geht uns auch in Zukunft nicht aus. Die Digitalisierung beschleunigt lediglich den Strukturwandel, der ohnehin im Gang ist‘ waren sich die Teilnehmenden weitgehend einig, dass die Digitalisierung die Arbeitswelt verändere, aber auch viele Chancen biete. Diese gelte es zu nutzen, indem die Rahmenbedingungen weiter verbessert werden müssen. Die These ‚Der Schlüssel zum Erfolg ist auch im Kontext der Digitalisierung die Bildung‘ fand ebenfalls breite Zustimmung. Aus gewerkschaftlicher Sicht wurde jedoch betont, dass nicht nur die schulische Weiterbildung sondern auch die berufliche Weiterbildung gefördert werden sollte. Eher skeptisch hingegen wurde die These ‚Digitalisierung bedeutet Fortschritt, auch im Arbeitsmarkt. Völlig neuartige Risiken sind zurzeit (noch) nicht auszumachen‘ aufgenommen. Es brauche vor allem Veränderungsbereitschaft bei den Unternehmen und deren Mitarbeitern, um agil und auf dem Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig zu bleiben.

Themenleader

  • Staatssekretariat für Wirtschaft SECO
  • HEC Lausanne