Auswirkungen der Digitalisierung auf Behördendienstleistungen und Service Public
Workshop

20.11.2017
13:15 - 14:45
Kongresshaus - Biel/Bienne
finger
Matthias Finger
Professor, EPFL
derder
Fathi Derder
Nationalrat & Journalist
fischer
Peter Fischer
Direktor ISB
guelpa
Anja Wyden Guelpa
Staatskanzlerin des Kantons Genf
schumacher
Markus Schumacher
Leiter Corporate Center, die Schweizerische Post AG
egger
Thomas Egger
Nationalrat & Direktor SAB
beer
Christoph Beer
Geschäftsleiter Verein eGov-Schweiz & Mundi Consulting AG

Was sind die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Dienstleistungen des Service Public, wie sie von Staatsunternehmen (Telekom, Post, öffentlicher Verkehr) und der Verwaltung erbracht werden? Wie werden die traditionellen Dienstleistungen noch genutzt? Muss der Service Public im digitalen Zeitalter neu erfunden werden?

Der Transformationsprozess der Digitalisierung führt nicht nur zu einem Umbruch im Privatleben und der Arbeitswelt, sondern auch zu neuen Bedürfnissen der verschiedenen Anspruchsgruppen bezüglich Dienstleistungen und Service public von Bund und Kantonen sowie der bundesnahen Betrieben in den Bereichen Telekommunikation, Post und öffentlicher Verkehr. Genügen diese Dienstleistungen den heutigen Ansprüchen der Nutzenden oder besteht neuer Handlungsbedarf?

Interdisziplinäre Diskussion zu konkreten Fragestellungen bzgl. Transformationsprozess in den Bereichen E-Government und Service Public.

Ergebnisse des Workshops

Ausgewählte Thesen
  1. Im Zeitalter der Digitalisierung muss die hergebrachte Definition des Service Public von Grund auf überdacht werden. 
  2. Ebenso ist die althergebrachte Art der Aufsicht und Regulierung einerseits und die Erbringung des Service Public durch die öffentlichen Unternehmen andererseits im Zeitalter der Digitalisierung nicht mehr zwingend geeignet.
  3. Entsprechend muss der Staat, im Zeitalter der Digitalisierung, seine aktive Rolle in der Erbringung von Service Public überdenken und sich auf die Bereitstellung von digitaler Infrastruktur fokussieren. 
     
Zusammenfassung

Die Einstellung gegenüber und auch die Nutzung von neuen digitalen Medien variieren in der Bevölkerung stark (digital diversity). Die Digitalisierung fördert die Fragmentierung der Gesellschaft. Umso wichtiger ist es, bei der Definition des Service Public im digitalen Zeitalter die Bedürfnisse der verschiedenen Bürger- und Kundengruppen ins Zentrum zu stellen.

Die Rolle des Staates verändert sich nicht grundlegend, aber die Themen werden komplexer und dynamischer. Der Staat soll weiterhin die Rahmenbedingungen schaffen, indem er die angemessenen Regulatorien und eine gewisse Infrastruktur bereitstellt, sei dies rein technologisch, damit die gesamte Bevölkerung von digitalen Lösungen profitieren kann, oder im Sinne von effizienzsteigernden Anpassungen seiner eigenen Prozesse (E-Government). Entscheidend sind ein starkes politisches Leadership und eine gute Zusammenarbeit einzelner Institutionen, aber auch zwischen den föderalen Ebenen. Um diese Transformation zu unterstützen, soll der gesetzliche Rahmen genügend Spielraum für Experimente und die Entwicklung digitaler Lösungen lassen.

Der Schweizer Föderalismus wird als Vorteil gewertet, indem innovative Ideen in einzelnen Kantonen oder Gemeinden getestet werden können, bevor sie flächendeckend implementiert werden. Die erfolgreiche Digitalisierung staatlicher Prozesse setzt ein starkes Vertrauen der Bevölkerung in den Staat voraus. In diesem Sinne soll der Staat gegenüber den Bürgern offen legen, welche Daten erfasst und wie diese verwendet werden (gläserner Staat). Damit die positiven Wirkungen der Digitalisierung genutzt werden können, reicht es nicht, bestehende Systeme und Abläufe digital abzubilden. Vielmehr soll das Potenzial der neuen Technologien derart ausgeschöpft werden, dass für die Bürgerinnen und Bürger ein Mehrwert resultiert.

Themenleader

  • Bundesamt für Kommunikation BAKOM
  • École polytechnique fédérale de Lausanne EPFL