Digitalisierung, Energie und Ressourceneffizienz
Workshop

20.11.2017
13:15 - 14:45
Kongresshaus - Biel/Bienne
buchel
Daniel Büchel
Vizedirektor BFE
grossen
Jürg Grossen
Nationalrat
maret
Stéphane Maret
Direktor SIG
waser
Peter Waser
CEO Starmind International
siegwart
Dr. Karine Siegwart
Vizedirektorin BAFU
hilty
Dr. Lorenz Hilty
Professor für Informatik & Delegierter für Nachhaltigkeit, Uni Zürich
berger
Till Berger
Koordinator Strategie Nachhaltige Entwicklung, ARE

Welche Chancen und Risiken stellt die digitale Transformation für eine nachhaltige wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung in der Schweiz sowie für die Energie- und Ressourceneffizienz dar?

Die Nachhaltige Entwicklung richtet sich seit deren Annahme im Jahr 2015 durch die Uno an den Zielen für eine Nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals SDGs) aus. Für Industrieländer liegt die Herausforderung der SDGs in deutlich effizienteren Konsum- und Produktionsmustern, höherer Energieeffizienz sowie einer erneuerbaren und klimaschonenden Energieversorgung. Übergreifend stellt sich die Frage, wie die digitale Transformation zur Erreichung der SDGs beitragen kann?

Ergebnisse des Workshops

Ausgewählte Thesen
  1. Die Energiestrategie 2050 ist ein erster Schritt der Digitalisierung in der Energie. Es braucht aber weitere Schritte. Ein schrittweises Vorgehen ist zielführender statt ein Wurf.
  2. Smart Grids, Smart Meter Daten, IoT, Blockchain, Big Data werden das Produkt Strom „vergolden“ und die Versorgungssicherheit der Schweiz erhöhen. Ein automatisierter Datenaustausch sorgt  in einem geöffneten Strommarkt für effiziente und schnelle Prozesse, von denen die Verbraucher profitieren.
  3. Die Digitalisierung senkt den Verbrauch an natürlichen Ressourcen, Materialien und Energie und steigert die Prozess-Effizienz. Die Wissenschaft entwickelt die entsprechenden Methoden, um knappe Umweltgüter transparent zu managen und deren Verbrauch zu reduzieren. Die Digitalisierung leistet damit einen zentralen Beitrag zur Erreichung von SDG 11 (Sustainable Cities).
     
Zusammenfassung

Der Workshop eröffnete mit einer allgemeinen Einordnung des Standes der Digitalisierung der Energiebranche. Der digitale Wandel in der Energiebranche findet statt und begann verhalten vor einiger Zeit, beispielsweise die Einführung von Computer Aided Design (CAD) in der Elektroplanung veranschaulicht: Anstatt mit Tusche auf Papier plante man plötzlich am Computer, was völlig neue Möglichkeiten eröffnete. Heute ist man natürlich weiter. Die Digitalisierung der Energiebranche nimmt erst richtig Fahrt auf. Die Energiestrategie 2050 ist dafür ein wichtiger Treiber und wird im Workshop als wichtiger «erster Schritt» bezeichnet. Sie umfasst bereits einen Regulierungsrahmen für eine digitale Messung des Verbrauchs, für den dabei notwendigen Datenschutz und die IT-Sicherheit sowie die Nutzung von Verbrauchs- und Produktionssteuerungen (Flexibilität). Klar wurde, dass es damit nicht getan ist und weitere Schritte folgen müssen, den eine so langfristig angelegte Strategie wird schnell durch die Entwicklung der Digitalisierung überholt. Welche Schritte dies konkret sein sollten, bzw. wie die Strategie „Digitale Schweiz“ verändert werden sollte, wurde hingegen nicht klar. Neue technologische Entwicklungen, wie Blockchain, Internet of Things und Big-Data sind zwar in aller Munde, aber die Rolle bzw. der Einfluss dieser Entwicklungen konnte nicht belastbar eingeschätzt werden.

Weiter wurde diskutiert, inwiefern eine allfällige Öffnung des Strommarktes fördernd für die Digitalisierung ist. Auch hier waren die Meinungen eher diffus. Die Öffnung könnte einerseits die Elektrizitätsunternehmen und andererseits neue Marktteilnehmende zu mehr digitaler Innovation motivieren. Jedoch wurde auch postuliert, dass digitale Innovation ohne eine Marktöffnung stattfinden könnte. Klarer erschien, dass viele Herausforderungen der neuen Energiewelt nur beherrschbar bleiben, wenn konsequent die Chancen der Digitalisierung genutzt werden, sprich wenn z. B. Verbrauch steuerbarer wird.

Eine wichtige Rolle bei der Digitalisierung schien der Verfügbarkeit von Daten zuzukommen. Hier konnte die Frage, wie man die Datenverfügbarkeit nachhaltig organisiert und die Effizienz der Prozesse erhöhen könnte, nicht eindeutig beantwortet werden. Auch die Rolle eines Datahubs für Strommarktdaten wurde kaum geklärt. Es wurde vor allem auf Smart Meter verwiesen, denn diese haben eine Schnittstelle, über die einem Hausbesitzer seine Daten sofort verfügbar gemacht werden können. Dies stellt einen wichtigen Schritt nach vorne dar und ermöglicht verschiedene Verwendungen der Daten, wie beispielsweise eine optimale Steuerung der Haustechnik. In diesem Bereich erwarteten die Podiumsteilnehmenden viele innovative neue Ansätze und sahen einen Innovations-Stau eher bei den Hausbesitzenden, welche voraussichtlich diese neuen Möglichkeiten nur zögerlich adaptieren werden. Die Datenverfügbarkeit insgesamt für Prozesse im Strommarkt, wie z. B. die Verrechnung von Verbrauchssteuerungen, ist damit freilich noch überhaupt nicht gelöst.

Insgesamt scheint die Branche sich langsam auf die Reise der Digitalisierung zu machen. Nach dem Motto «der Weg ist das Ziel» sind bereits heute gute Entwicklungen erkennbar. Jedoch steht der Branche auch noch ein gutes Stück des Weges bevor, denn es konnten weder konkrete nächste Schritte noch eine gemeinsame Vision abgeleitet werden. Es gibt daher noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten.

Themenleader 

  • Bundesamt für Energie BFE
  • Bundesamt für Umwelt BAFU
  • Bundesamt für Raumentwicklung ARE