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Grenzenloser Filmkonsum?

Beitrag von IGE / IPI

Publiziert am 22.02.2021


Die Digitalisierung macht es möglich: Mit Tablets und Laptops kann man jederzeit und überall Filme und Serien konsumieren. Befindet man sich im Ausland, ergeben sich jedoch Schwierigkeiten. Bei der Lieblingsserie oder beim gewünschten Film bleibt der Bildschirm oft schwarz. Die Online-Inhalte sind häufig nicht grenzüberschreitend verfügbar; sie sind nicht portabel. Die EU hat hierzu einzelne Massnahmen getroffen. Wie sich die Situation in der Schweiz darstellt, hat die Beobachtungsstelle für technische Massnahmen (BTM) untersucht.

Viele von uns kennen die Situation: Wer sich im Ausland aufhält, möchte oft auch in dieser Zeit die gewohnten Filme, Serien oder Sportsendungen anschauen können. Doch häufig erhält man im Ausland die Mitteilung, dass der gewünschte Film nicht verfügbar ist. Der Grund liegt im sogenannten privaten Geoblocking. Online-Inhaltedienste begrenzen damit ihr Angebot auf ein spezifisches Gebiet, z. B. ein einzelnes Land. Ausserhalb dieses Gebiets lässt sich das Angebot oft nicht «wie zu Hause» aufrufen.

Im Rahmen des «Aktionsplanes Digitale Schweiz» hat die BTM das private Geoblocking im Zusammenhang mit der grenzüberschreitenden Verfügbarkeit audiovisueller Inhalte (z. B. Filme, Serien und Sportschauen) untersucht. Sie stand dafür im Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener betroffener Kreise. Ihre Erkenntnisse fasste sie im vorliegend veröffentlichten Bericht zusammen.

Hintergründe des privaten Geoblockings

Aus Sicht der BTM gibt es vertretbare Gründe für das private Geoblocking. Es dient einerseits der Wahrung der Urheberrechte und stärkt die Interessen der Rechteinhaberinnen und Rechteinhaber. Diese können dank des Geoblockings bspw. die Finanzierung ihrer Filmproduktionen absichern. Andererseits können sich Online-Inhaltedienste entscheiden, nur in bestimmten Ländern tätig zu sein. Sie haben dank des Geoblockings die Möglichkeit, ihr Angebot von Land zu Land an die Kundinnen und Kunden anzupassen. Dadurch können sie ihr Angebot den Konsumentinnen und Konsumenten unter Umständen preisgünstiger anbieten, als wenn sie alle Inhalte für alle Länder einkaufen müssten.

Massnahmen der Europäischen Union (EU)

Die EU hat einzelne Massnahmen getroffen, die die grenzüberschreitende Verfügbarkeit (Portabilität) von Online-Inhalten erhöhen sollen. Die Massnahmen gewähren aber weder inhaltlich noch geografisch einen umfassenden Zugang. Die Massnahmen gelten nur innerhalb der EU. Bürgerinnen und Bürger der EU, die ins EU-Ausland reisen, sind weiterhin vom Geoblocking betroffen. Die EU stärkt mit den Massnahmen hauptsächlich ihren Binnenmarkt.

Situation in der Schweiz

Innerhalb der Schweiz sind Konsumentinnen und Konsumenten nicht vom privaten Geoblocking betroffen. Wie EU-Bürgerinnen und -Bürger spüren sie dieses erst, wenn sie ins Ausland reisen. Die BTM hat in ihrer Untersuchung festgestellt, dass Online-Inhaltedienste soweit möglich versuchen, den Konsumentinnen und Konsumenten auch während Auslandaufenthalten Zugriff auf ihr Angebot zu gewähren. So stellen sie teilweise Aufnahmefunktionen oder regional angepasste Angebote zur Verfügung. Dennoch sind nicht alle Online-Inhalte grenzüberschreitend verfügbar. Ein Anschluss der Schweiz an die Massnahmen der EU könnte die Situation etwas weiter verbessern, bedürfte aber entsprechender bilateraler Verhandlungen. Aus Sicht der BTM liesse sich eine Lockerung des privaten Geoblockings aber unter Umständen einfacher auf vertraglicher Ebene zwischen den Rechteinhaberinnen bzw. Rechteinhabern und den Online-Inhaltsdiensten erreichen.

Portabilität von urheberrechtlich geschützten Inhalten (pdf)


Beitrag von

IGE / IPI
IGE / IPI

Beobachtungsstelle für technische Massnahmen